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Samstag, 16. Dezember 2017

SATYRICON / "Deep Calleth Upon Deep" / Label: Napalm Records / 8 Tracks / 43:29 Min

Es muss Herzen geben, welche die Tiefe unseres Wesens kennen und auf uns schwören, selbst wenn die ganze Welt uns verlässt. (Karl Gutzkow)

Dass SATYRICON im Erlebnispark "Black Metal" schon seit geraumer Zeit nur noch eine untergeordnete Rolle spielen, dürfte hinlänglich bekannt sein.
Zu nachhaltig war die Abkehr vom Pfad der schwarzen Künste, der SATYRICON zu Glanzzeiten ("Nemesis Divina", "Dark Medieval Times", "The Shadowthrone") bis ins Pantheon geführt hatte.

In der Folge verdiente man sich dann (zurecht) die Poleposition im Black 'n' Roll. Mit "Volcano" und mit Abzügen auch noch mit "Now, Diabolical" haben SATYRICON auch hier großartige Alben veröffentlicht, mit denen man sich zum einen für neue Zielgruppen öffnete, gleichzeitig aber auch noch die "alten" Hörer bei Stange halten konnte.
Dass die Norweger aber seit dem halbgaren selbstbetitelten Album "Satyricon" in der Szene zwischenzeitlich nur noch als Fehlbesetzung für jede Geisterbahn wahrgenommen wurden, war so unnötig wie ein Kropf, und haben sich SATYRICON in letzter Konsequenz selbst zu zuschreiben.
Zu uninspiriert, zu selten auf den Punkt kommend, zu experimentell ... das 2013er Werk wird mit Sicherheit niemals zu den Meisterwerken von Satyr & Frost gezählt werden, auch wenn es mit "Walker Upon the Wind" und "Tro og Kraft" zwei sehr gute Tracks, sowie mit "Phoenix" eine gelungene Collaboration mit Sivert Høyems enthält.
Auch das Live-Album "Live at the Opera" war alles andere als hilfreich dabei, um verloren gegangenes Terrain wieder zurück zu erobern.
Nun also "Deep Calleth Upon Deep":
Obwohl längst noch nicht alles im Lot ist, hat Satyr seine krankheitsbedingte Zwangspause scheinbar dazu genutzt, den wankenden Riesen SATYRICON zu stabilisieren und ihm neuen Odem einzuhauchen.
Ob die Frischluftzufuhr allerdings für einen zweiten Frühling reichen wird, wird erst die Zukunft zeigen. Für den Moment kann allerdings vermeldet werden, dass "Deep Calleth Upon Deep" ein Schritt in die richtige Richtung ist.
Vor allem die musikalische Rückbesinnung auf alte (Band-)Werte, wie geschehen bei "Black Wings and Withering Gloom" steht den Norwegern sehr gut zu Gesicht.
Aber auch die, mit stylischen Hochglanz-Schwarz versehenen "To Your Brethren in the Dark", "Deep Calleth Upon Deep" und "The Ghost of Rome", geben Grund zur Hoffnung, dass Satyr & Frost es nochmals wissen wollen.
Der Rest des Albums benötigt Zeit um zu reifen, zudem ein Verständnis für progressive Strukturen, manchmal aber auch starke Nerven, wie z.B. bei "Dissonant".

Fazit: SATYRICON haben sich mit "Deep Calleth Upon Deep" mehr als respektabel aus der Affäre gezogen und den weiteren Wertverfall des ehemaligen Flaggschiffs abwenden können.
Phasenweise kann Album Nr. 9 sogar als zukunfsträchtiger Fingerzeig für die gesamte (moderate) Szene gewertet werden. Massenkompatibel ist "Deep Calleth Upon Deep" deswegen aber noch lange  nicht - und das ist gut so. (JK)

7.5 von 10

https://www.facebook.com/SatyriconOfficial/
https://shop.napalmrecords.com/

METALLIC X-MAS 2017 mit DESTRUCTION / DUST BOLT / PRIPJAT / TOXIC WALTZ / SWEEPING DEATH - 26.12.2017 München / Backstage (Werk)

http://www.backstage.info/

Montag, 11. Dezember 2017

Konzertbericht MTVs Headbangers Ball: MAX & IGGOR CAVALERA + OVERKILL + INSOMNIUM + DESERTED FEAR - 4.12.2017 München / Backstage (Werk)

Man mag es heutzutage kaum glauben, aber es gab einmal eine Zeit (1987 - 1997), in der im TV nicht nur bekloppte Casting-, Tanz- oder Kuppel-Shows liefen, sondern Musikvideos mit metallischem Inhalt. Ein Format tat sich seinerzeit besonders hervor: MTVs Headbangers Ball.
Gezeigt wurde alles, was der metallische Garten hervorbrachte - von VAN HALEN und AC/DC über SLAYER und METALLICA bis hin zu BIOHAZARD und SEPULTURA.
Letztere dürften bis heute mit einem ihrer Videos sicherlich in den Top-10 dieser Sendung sein: "Roots Bloody Roots"

21 Jahre später begeben sich die beiden Cavalera Brüder auf große Tour, um eben dieses wegweisende Werk würdig zu feiern. Und hier schließt sich der Kreis: MTVs Headbangers Ball Tour 2017 - MAX & IGGOR CAVALERA RETURN TO ROOTS !

Um die Sache Rund zu machen, werden zudem die Thrash Urgesteine OVERKILL, die finnischen Melo-Deather INSOMNIUM und die Thüringer Todesblei-Nachwuchshoffnung DESERTED FEAR zum Tourtross gehören.

DESERTED FEAR

Da der Münchner Gig zum einem an einem Montag stattfindet und zum anderen bereits um 18.30 Uhr beginnt, nimmt die normal übliche Prozedur ihren Lauf: Der Openig Act erhält die Arschkarte, zumindest was den Publikumszuspruch betrifft.
DESERTED FEAR machen das Beste daraus, was man in solch einer Situation machen kann: sie jagen ein Riff-Feuerwerk durch die Boxen, das jedem, der schon zu früher Stunde seinen Weg ins Backstage gefunden hat, unwillkürlich ins Knochenmark schießt und ihn so vergessen lässt, dass die Halle momentan noch halb leer ist.
DESERTED FEAR (© by metal-is-forever-alive)
Und so macht sich, trotz größerer Lücken im Publikum, bereits zum Opening-Doppelschlag ("The Fall of Leaden Skies" und "The Batalion of Insanities"), ein kleineres Tohuwabohu in den ersten Reihen bemerkbar.
Ebenfalls poistiv auf die Stimmung wirkt sich aus, dass DESERTED FEAR nahezu auf die komplette Light-Show zurückgreifen können, Rauchsäulen inklusive. So gibt es nicht nur die volle Dröhnung auf die Lauscher, es wird auch optisch einiges geboten - getreu dem Motto: Das Auge (head-)bangt mit.
Nach einer knappen Dreiviertelstunde beenden DESERTED FEAR, die sichtlich stolz sind, für diese Tour gebucht worden zu sein, ihren Gig mit "Bury Your Dead". Applaus gibt es im Anschluß daran auch - aber eher spärlich, und hauptsächlich aus den ersten Reihen.

INSOMNIUM

Wie schon DESERTED FEAR zuvor, haben auch INSOMNIUM damit zu kämpfen, dass zum einen die Ticketverkäufe zu wünschen übrig lassen, aber eben auch, dass der Großteil der Karteninhaber, wie es scheint, hauptsächlich wegen dem Headliner, und mit Abstrichen auch noch wegen Bobby "Blitz" Ellsworth und seiner Truppe gekommen ist.
Und so gestalltet sich, stimmungstechnisch gesehen, der Auftritt der Finnen ebenfalls zu einer zwiespältigen Angelegenheit. Während die vordere Hälfte der Halle Kopf steht, macht sich im hinteren Teil kultivierte Lethargie breit.
INSOMNIUM (© by metal-is-forever-alive)
INSOMNIUM lassen sich dadurch aber nicht aus dem Konzept bringen und heizen jedem, der sich darauf einläßt, mit einem knapp einstündigen Hitfeuerwerk mächtig ein: "The Primeval Dark", "While We Sleep", "Unsung", "The Killjoy", "Revelation", "Weather the Storm", "Down with the Sun", "Ephemeral", "One for Sorrow" - 9 Tracks bringen die Finnen auf der Setlist unter, die heute Abend fast ausschließlich mit Songs der beiden Alben "One for Sorrow" und "Shadows of the Dying Sun" bestückt wurde.
Wer mit Melo-Death was anfangen kann, wurde von den Finnen gehörig in die Mangel genommen, und konnte dabei, während der 60 Minuten andauernden Show von INSOMNIUM, seinen Nackenwirbeln eine Bewegungstherapie vom Feinsten gönnen.
Auch wenn INSOMNIUM nicht den Geschmack aller getroffen haben, muss man den Finnen trotzdem einen gelungenen Gig attestieren, der am Ende lediglich Abzüge in der B-Note (Sound etwas schwammig) verkraften muss.

OVERKILL

Mit solchen Problemen müssen sich OVERKILL heute nicht rumschlagen - die Halle hat sich inzwischen ordentlich gefüllt, der Sound ist druckvoll und klar, und der Großteil der Anwesenden steht wie eine Eins hinter den Kult-Thrashern. Beste Vorraussetzungen also für Bobby Blitz Elsworth & Co.
OVERKILL (© by metal-is-forever-alive)
Und wer OVERKILL schon einmal live gesehen hat, der weiß, dass OVERKILL nicht umsonst als eine der besten Live-Bands des Planeten gehandelt werden.
Mit dem Opening Track "Mean, Green, Killing Machine" vom aktuellen Album eröffnen die 5 New Yorker ihrer Show. Es dauert nur wenige Momente und der erste Mosh-Pit wird gesichtet.  Zum ersten mal heute Abend macht sich kollektive Begeisterung breit.
Und so entwickelt sich der Abend zu einem Triumphzug für OVERKILL, die, obwohl sie mittlerweile auch schon 32 Jahre auf den Bühnen der Welt unterwegs sind, immer noch abgehen, wie zu besten Zeiten.
Wer im etwas reiferen Alter, Klopper wie "Hello from the Gutter", "Wrecking Crew" oder "Elimination" immer noch glaubhaft auf die Bühne bringt, hat sich die Zuneigung der Fans und den daraus resultierenden Applaus redlich verdient - der entwickelt sich dann auch, nach dem letzten Song ("Fuck You"), zu einem lautstarken Orkan im Gehörgang eines jeden.

MAX & IGGOR CAVALERA Return to ROOTS

Dannach wird es kultig: Die Cavalera Brüder, ihres Zeichens Gründungsmitglieder von SEPULTURA, bringen das wohl erfolgreichste Album ihrer Karriere (nahezu) in gesamter Länge auf die Bühne - Vorhang auf für ROOTS
MAX & IGGOR CAVALERA (© by metal-is-forever-alive)
Da das Album heute Abend Track by Track, also wie auf dem Album, zu Live-Ehren kommt, eröffnen Max & Iggor ihren Gig mit dem Song, der sie unsterblich gemacht hat: "Roots Bloody Roots".
Kein Regisseur der Welt hätte sich ein besseres Skript für den heutigen Abend ausdenken können - wildes Haareschütteln, Moshpits allenthalben und ein Refrain, der die Hallenwände erbeben lässt, so laut er wird mitgebrüllt.
Über Fluch und Segen eines solchen Übersongs lässt sich streiten, es sieht aber fast so aus, dass bei den meisten Zuschauern, alles was nach diesem Track noch folgt, "nur" noch als schweißtreibende Zugabe wahrgenommen wird - und so wohnen heute Abend geschätzt 800 Nasen, dem wohl längsten Zugabenblock der Musikgeschichte bei.
Ganz so einfach darf man es sich natürlich nicht machen, sprechen wir doch über eines der einflußreichsten Alben der Metalgeschichte, dass neben dem bereits erwähnten Song, noch 15 weitere, der Thrash-Tribal Fusion Götter enthält.
MAX & IGGOR CAVALERA (© by metal-is-forever-alive)
Songs wie beispielsweise "Ratamahatta", "Attitude", "Cut-Throat" und "Breed Apart" haben ebenfalls bis heute nichts von ihrem Feuer verloren. Und so hängt über dem kompletten Auftritt der Cavalera Brüder eine besondere Stimmung, die man irgendwo zwischen Ekstase (unzählige Circle-Pits, kollektives Hüpfen, gebetsmühlenartiges Mitsingen, Headbangen bis zum Haarspliss) und Gänsehaut (ob des historischen Moments) einordnen kann.
Nach dem knüppelharten "Dictatorshit" und insgesamt etwas mehr als einer Stunde Spielzeit, verabschieden sich die Protagonisten dann für wenige Augenblicke von der Bühne, aber ohne Zugabe darf solch ein geschichtsträchtiger Abend natürlich nicht zu Ende gehen.
Der kleine Zugabenblock beinhaltet dann mit "Ace of Spades" noch eine musikalische Verbeugung vor dem Godfather of Rock & Metal (R.I.P. Lemmy) und eine Vollgasvariante von "Roots Bloody Roots".
Wer danach nicht wenigsten ein bisschen nach Luft japsen muss, soll auf ewig in der Klingeltonhölle von MTV schmoren, die der Sender damals, ziemlich bald nach dem Aus des TV Formats "Headbangers Ball" auf die Menschheit losließ. (JK)


Donnerstag, 7. Dezember 2017

STAHLSARG / "Mechanisms of Misanthropy" / Label: Non Serviam Records / 10 Tracks / 62:15 Min

Weit besser ist's, im groben Rock zu leben, statt als Millionär zu faulen unterm Marmorblock (Francois Villon).

Den ersten Platz bei der Wahl des phantsievollsten Bandnamens werden STAHLSARG wohl nicht gewinnen. Auch ist der Sound, auf den STAHLSARG bauen, alles andere als innovationspreis-verdächtig.
Vielleicht gelingt es den Briten aber trotzdem euch zu gewinnen, vorzugsweise mit dem aktuellen  Longplayer  "Mechanisms of Misanthropy".

Geboten wird kraftvoller, melodiöser Black Metal, der zudem gerne Elemente von Dark- und Death Metal in sich aufsaugt und als schwarzen Klumpen wieder ausspuckt - direkt ins Anlitz des Mainstream.
Wie die Auflistung der verschiedenen Genres, die STAHLSARG beackern, schon vermuten lässt, ist "Mechanisms of Misanthropy" sehr abwechslungsreich geraten.
Es kracht und knarzt an allen Ecken und Kanten, und der Anteil der Blastbeats ist auch nicht von schlechten Eltern, und dennoch finden STAHLSARG immer eine Möglichkeit, auf dem Pfad der Dunkelheit, durch das Aufstellen vereinzelter (genrefremder) Fakeln, die Schatten zum Tanzen zu bringen.
So hört man z.B. bei "Blonde Poison" mit etwas Phantasie die SISTERS OF MERCY im Melodieverlauf heraus, bei "Far Beyond the Dragons Teeth" bringen die Briten METALLICA (zu Beginn) das schwarze Ein-Mal-Eins bei, bevor sie zum Ende hin dem gemäßigten Melo Death einen Besuch abstatten, und beim leicht orientalisch (hauptsächlich zu Beginn) anmutenden "Pharmaceutical Frontline" sieht man die Truppe vor seinem geistigen Auge, auf Dromedaren durch die verschneiten norwegischen Fjorde ziehen.
Zudem versuchen sich STAHLSARG bei "Das Fallbeil" an der deutschen Sprache (etwas holprig) und lassen im Mittelteil Avantgarde-Bands, wie beispielsweise GRABNEBELFÜRSTEN hochleben.
Die Krönung ist jedoch das abschließende "In the Lungs of the Earth" - hier rühren STAHLSARG neben Black- und Death Metal, zudem auch noch etwas Doom und Goth unter die kräftig gewürzte Brühe - wohlgemerkt ohne dabei den schwarzen Faden zu verlieren, oder gar ins Kitschige abzudriften.

Fazit: STAHLSARG verschieben auf ihrem zweiten Longplayer mehrmals die Trennmauer, hinter der sich der Black Metal seit einiger Zeit verschanzt hat.
Für die einen dürfte dies einem Verrat an der reinen schwarzen Lehre gleichkommen, für andere hingegen bietet "Mechanisms of Misanthropy" das ein oder andere Schlupfloch, um seinen (musikalischen) Horizont zu erweitern, ohne dabei sein Gesicht innerhalb der Szene zu verlieren. (JK)

7.5 von 10

http://stahlsargofficial.com/
https://www.facebook.com/stahlsarguk

Sonntag, 3. Dezember 2017

Konzertbericht EUROPE + BLACK TAPE LION - 28.11.2017 München/Backstage (Werk)

EUROPE: Walk the Earth World Tour

Wir schreiben das Jahr 1986: Helmut Kohl ist Bundeskanzler, in Tschernobyl kommt es zum atomaren Supergau und auf Merritt Island wird für das Challenger Space Shuttle und dessen Besatzung der "Final Countdown" gezählt.
... und hätte in diesem Jahr nicht der ein oder andere musikalische Lichtblick für Aufmunterung gesorgt, 1986 wäre zweifelsohne als eines der deprimierendsten Nachkriegsjahre in die Annalen der Menschheit eingegangen.
Einer dieser Lichtblicke war mit Sicherheit das dritte Studioalbum von EUROPE, die mit diesem Album unsterblich wurden.
31 Jahre später ist die Erde immer noch kein Platz der Glückseeligkeit, aber EUROPE gibt es zumindest noch, die mit "Walk the Earth" ihr mittlerweile elftes Studioalbum am Start haben und mit selbigen auf den Bühnen der Welt vorstellig werden.

Obwohl EUROPE auf der aktuellen Tour nur zwei Stopps auf deutschem Boden einlegen, ist der heutige Gig in München nicht gänzlich ausverkauft. Ob es an den happigen Ticketpreisen lag (um €45), oder daran, dass die Zielgruppe in die Jahre gekommen ist und an einem nass-kaltem Dienstagabend den Arsch von der heimischen Couch nicht mehr hochbekommt, mag ein jeder für sich entscheiden.
Fakt ist, als der Opening-Act BLACK TAPE LION um kurz nach 20 Uhr den Abend eröffnet, ist die Halle noch recht übersichtlich "gefüllt".
Nicht gerade die besten Bedingungen für eine Band, die heute Abend erst ihren vierten (!) Auftritt der noch jungen Karriere zu absolvieren hat.
BLACK TAPE LION (© by metal-is-forever-alive)
Trotz dieser suboptimalen Voraussetzungen, wirken die vier Regensburger zu keinem Zeitpunkt ihres knapp 40-minütigem Auftritts nervös. Hierfür: À la bonne heure!
Weniger respektabel ist allerdings das Liedgut, mit dem BLACK TAPE LION aufwarten. Obwohl sämtliche Songs technisch einwandfrei vorgetragen werden und BLACK TAPE LION auf gute Soundverhältnisse zurückgreifen können, mag der Funke nicht so richtig auf das Publikum überspringen.
Wer sich primär wegen EUROPE eine Konzertkarte zulegt, hat in der Regel nicht sonderlich viel mit modernem Alternative-Rock am Hut, zumal diesem auch noch der Hook abgängig ist.
Und so verpuffen neben einer TOM PETTY Hommage ("Free Fallin'") auch alle weiteren Songs der Regensburger heute Abend in der Belanglosigkeit.

Die folgende Umbaupause zieht sich dann etwas über das normal übliche (Zeit-)Maß. Woran es lag, war nicht auszumachen. Ein nicht funktionieren wollender Lockenstab kann jedenfalls nicht das Problem gewesen sein, sind EUROPE doch schon seit geraumer Zeit mit pflegeleichten Frisuren unterwegs.
                                                                                   
EUROPE (© by metal-is-forever-alive)
Um 21.20 Uhr hat das Warten dann endlich ein Ende und die Schweden betreten, einer nach dem anderen, bestens gelaunt die Bühne. Ein kurzer Gruß - los geht's.
Mit "Walk the Earth" und "The Siege" präsentieren EUROPE zu Beginn zwei Songs vom neuen Album, die beide (obwohl das Album erst enige Tage auf dem Markt ist) für ordentlich Tumult in den ersten Reihen sorgen.
Wer meint, dass EUROPE eine jener Bands ist, die nur von ihrer glorreichen Vergangenheit lebt, irrt gewaltig. 
Die Schweden sind vielmehr eine der wenigen Hair-Metal Bands aus der Blütezeit (Ende 80er/Anfang 90er Jahre) dieses Genres, die es geschafft haben, bis in die Neuzeit hinein, gute Songs zuschreiben, ohne dabei ihre Vergangenheit zu verleugnen.
EUROPE (© by metal-is-forever-alive)
Dass dem so ist, sieht man allein schon an der Tatsache, dass von den 19 Songs, die die Schweden heute Abend auf die Bühne bringen, 11 neueren Datums sind.
Ganz ohne die Klassiker geht es aber auch nicht, und so hauen Joey Tempest, John Norum & Co, zwischendurch immer mal wieder Relikte raus, welche seinerzeit auf MTV in Dauerrotation liefen: "Rock the Night", "Heart of Stone", "Girl from Lebanon", "Scream of Anger", "Superstitious" und "Cherokee".
Nur zu "Open Your Heart" und "Carrie" scheinen EUROPE inzwischen ein differenziertes Verhältnis aufgebaut zu haben, fehlen doch beide Schmachtfetzen auf der Setlist.
EUROPE (© by metal-is-forever-alive)
Ein Umstand, der für die meisten verschmerzbar ist, nur eine "Dame" (Münchens letzter Groupie?) moniert das Fehlen eben dieser Songs nach dem Konzert lautstark, während sie sich vor dem Backstagebereich aufreizend in Pose wirft und auf Einlass hofft.
Ob Joey ihr zu vorgerückter Stunde "Carrie" noch persönlich vorgeträllert hat, wage ich allerdings zu bezweifeln.
Und so dürfte für sie, wie für alle anderen auch, der Abend nach "The Final Countdown" (einzige Zugabe) sein finales Ende gefunden haben. (JK)

Samstag, 25. November 2017

TARANTIST / "Not a Crime" / Label:self-released / 14 Tracks / 48:20 Min

Teil 2 unserer (unregelmäßigen) Serie, in der wir Underground-Bands vorstellen, die noch bei keinem Label unter Vertrag sind, führt uns diesmal in den Iran.

TARANTIST ist eine vierköpfige Band, die ursprünglich aus Teheran stammt und um die Jahrtausendwende gegründet wurde.
2008 entschied man sich in die USA (Los Angeles) umzusiedeln, da man den Umgang mit westlicher Musik im eigenen Land leid war.

Auch wenn man bei TARANTIST von keiner typischen Metal-Band sprechen kann, dazu ist die Musik einfach zu vielschichtig und (oftmals) zu wenig gitarrenorientiert, bringen die Iraner trotzdem einiges mit, was den breit aufgestellten Rock- und Alternative-Fan ansprechen könnte.
Neben einer schönen Ballade "I Become God", die man sich so auch auf einem Solo-Album von SERJ TANKIAN hätte vorstellen können, bieten TARANTIST vor allem jede Menge rockige Klänge an, die man in ähnlicher Form von russischen Rockbands, Ende der 80er, gehört hat. Hier wären vor allem KINO und ALISA zu nennen. Mit viel Phantasie und einem kräftigen Zug aus der Shisha lassen sich vereinzelt auch noch KNORKATOR heraushören.
Dieser zugegebenermaßen etwas gewöhnungsbedürftige Mix wird zudem ständig mit orientalischen Instrumenten und Melodien erweitert, was unter dem Strich aber eindeutig als Zugewinn zu werten ist. Gesungen wird, bis auf ganz wenige Ausnahmen, auf persisch (Farsi), was den Exotenstatus, den TARANTIST definitiv inne haben, nochmals unterstreicht.

Wer meint, dass er diesem Stilmix gewachsen ist, folgt einem der unten stehenden Links, um sich noch mehr Information anzulesen, oder, um mit TARANTIST in Kontakt zu treten und sich "Not a Crime" zu bestellen. (JK)

Anspiel-Tipps: "I Become God", "Reflection", "Pills", "Soldiers"




TARANTIST Online:

www.TarantisT.com (merchandise available here)
iTunes: TarantisT
Spotify and Pandora: @TarantisT
Twitter: @TarantisT
TARANTIST:
Arash - Bass Guitar & Vocals
Arsy - Guitars
MadMetal - Vocals
Aidin - Guitars, Vocals

Freitag, 17. November 2017

Konzertbericht ASP + GOTHMINISTER - 8.11.2017 München/Backstage


ASP laden zur Mondscheinsirenade: Die 20.000 Meilen Tour


Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christuskind, sondern auch der ASP-Mann - so auch 2017.
Wie schon in den letzten Jahren, reist Alexander SPreng zur Herbstzeit durch deutsche Lande und lässt auf den Konzertbühnen der Städte den schwarzen Schmetterling fliegen.
Wer ASP jedoch nur auf den Schmetterlingszyklus reduziert, tut der Frankfurter Institution Unrecht, haben sich im Verlauf der letzten 18 Jahre doch viele weitere Songs hinzugesellt, die allesamt danach lechzen, live aufgeführt zu werden. So auch das Material vom kürzlich erschienenen dreizehnten Studio-Album "Zutiefst ".
Bevor es jedoch soweit ist, dürfen an diesem ungemütlichem Spätherbstabend im Münchner Westen, GOTHMINISTER den Massen einheizen.


GOTHMINISTER

Pünktlich wie die Maurer beginnen die Norweger ihr Set auf die Sekunde ganau um 20 Uhr. Mit ihrem brachialen Industrial-Goth-Metal passen GOTHMINISTER aber nicht 100%ig zum Hauptact, der seine Fanbase eher mit ruhigeren bzw tanzbaren Tracks bespielt.
GOTHMINISTER (© by metal-is-forever-alive)
Da die schwarze Szene aber ein toleranter Schmelztiegel ist, kommt trotzdem relaiv schnell Stimmung auf. Alles andere wäre auch verwunderlich gewesen, da trotz aller Wucht und Lautstärke, mit der jeder Titel präsentiert wird, der Sound von GOTHMINISTER unterm Strich trotzdem tanzbar ist.
Nur bei ein paar, in schwarze Rüschenkleider gewandete Mädels, kehrt nach dem ersten Schreckmoment nicht wieder die "natürliche" Gesichtsfarbe zurück. Auch wenn man mit fahler Gesichtshaut heute eher weniger bis gar nicht auffallen würde, ziehen es besagte Damen doch lieber vor, den vorderen Bereich der Halle zu räumen und sich weiter hinten niederzulassen - ein bischen Schwund ist immer.
Der Rest der Zuschauer erfreut sich aber an der Show, die GOTHMINISTER heute vom Stapel lassen, auch wenn es die heute "nur" in abgespeckter Version zu bestaunen gibt. So ist die Schar der Monster, die ansonsten einen GOTHMINISTER Gig "aufhübschen", heute auf ein Minimum reduzert worden - nur dem Werwolf und seinem Jungen wird heute Abend Zutritt zur Bühne gewährt.
Nach 40 Minuten ist allerdings schon Schluß und GOTHMINISTER werden nach getaner Arbeit mit lautstarken Applaus verabschiedet.


ASP

Nachdem Alexander Spreng die letzten beiden Tourneen dem "Verfallen-Zyklus" gewidmet hat und die Konzertreise davor unter dem Motto "Per Aspera Ad Aspera - 15 Jahre ASP" lief, ist es heuer wieder Zeit, die "Fremder"-Geschichte weiterzuerzählen.
                                                                                     
ASP (© by metal-is-forever-alive)

Längst schon keine Fremden mehr, sowohl in der Gothic-, als auch in der Metal-Szene, sind ASP - dementsprechend dicht an dicht stehen die Leute im proppenvollen Backstage Werk.
Der Stimmung ist diese kuschelige Atmosphäre aber in keinster Weise hinderlich. Ganz im Gegenteil. Hat man doch das Gefühl, dass gerade dadurch, ein jeder zum Mitmachen animiert wird. Sei es nun zum Tanzen, zum Mitsingen oder zum Klatschen - ASP Konzerte entwickeln sich immer mehr zu einem Gemeinschaftserlebnis. Besonders deutlich wird dies beim Mega-Hit "Schwarzes Blut", bei dem die beiden Worte "Vorwärts - Abwärts" gestenreich von allen mitgebrüllt werden,
Aber auch die neuen Songs, vom eben erst erschienen Album "Zutiefst" kommen überraschend gut an. Sechs davon präsentieren ASP heute Abend, die allesamt textsicher vom Großteil des Publikums mitgeträllert werden.
Während der insgesamt etwas mehr als zweistündigen Show, schlüpft ASP in verschiedene Rollen - mal ist er gestrenger Mahner ("...bitte hört auf, ständig Fotos und Videos zu machen, sondern genießt das Konzert!") mal ist er galanter Entertainer, dann wieder ist er Geschichtenerzähler, und im nächsten Moment gibt er den Zeremonienmeister, dem die Massen aus der Hand fressen.
ASP (© by metal-is-forever-alive)
Da ASP beim heutigen Auftritt dem neuen Album relativ viel Aufmerksamkeit schenken, bleibt (logischerweise) etwas weniger Zeit, um den inzwischen reich gedeckten Hit-Gabentisch abzuarbeiten. So bleiben heute Abend beispielsweise "Ich bin ein wahrer Satan", "Sing Child" oder auch "Finger Weg! Finger!" ungespielt und somit auch ungehört.
Dafür hat es der Zugabeblock in sich: "Und wir tanzten (Ungeschickte Liebesbriefe)", "Ich will brennen", "Fortsetzung folgt" lässt die Fanherzen höher schlagen und setzt den Schlusspunkt hinter einem sehr guten, wenn auch nicht den besten, ASP Auftritt, der sogar mit der SIMON & GARFUNKEL Coverversion "I Am a Rock" noch eine weitere (unerwartete) Zugabe erhält. (JK)

Donnerstag, 16. November 2017

THE NEW ROSES / "One More For The Road" / Label: Napalm Records / 14 Tracks / 53:04 Min

Die Rose stand im Tau, es waren Perlen grau, als Sonne sie beschienen, wurden sie zu Rubinen. (Friedrich Rückert)

Dass der Prophet im eigenen Land relativ wenig wert ist, hat man schon häufiger gehört, passt aber immer noch.
Vor allem, wenn es um THE NEW ROSES geht. Da hauen die Wiesbadener Hard Rocker ein starkes Album nach dem anderen raus ("One More for the Road" ist bereits der dritte Longplayer der Truppe), und was passiert? Herzlich wenig, bis auf ein paar gute Kritiken in der Fachpresse und dem ein oder anderen Slot im Vorprogramm eines namhaften Acts (u.a. ACCEPT, SAXON).
Immer noch spielen THE NEW ROSES in kleinen Clubs und auch die Album-Verkaufszahlen haben noch (viel) Luft nach Oben.
Würden wir hier von einer us-amerikanischen Band sprechen, die mit ähnlichem Songmaterial aufwarten könnte, der Hype wäre längst am köcheln.

Eigentlich unverständlich, sogar noch vielmehr, wenn man sich die Alben von THE NEW ROSES zu Gemüte führt: Erwartet einen doch feinster Hardrock, us-amerikanischer Schule (CINDERELLA, AEROSMITH), der zusätzlich mit etwas Sleaze und Southern Feeling aufwarten kann.
Aber auch der alte Kontinent ist mit dem ein oder anderen GOTTHARD Querverweis vertreten, was der Melange eine feine Note verleiht.

Der neueste Output ("One More for the Road") kann zudem dreierlei von sich behaupten:
- ein Album komplett ohne Ausfälle
- enthält feinsten Balladenstoff (3 Stück) für die Damenwelt und den feuerzeugschwenkenden Herren
- Stadionrock der gehobenen Klasse

Zählt man alles in Summe zusammen, kann es nur ein Ergebnis geben: THE NEW ROSES sind auf bestem Weg, eine große Nummer im Hard Rock Business zu werden.

Eine Unbekannte hat diese Rechnung allerdings - nämlich EUCH!

Also liebe Leute, groß und klein, setzt eure Euronen nicht nur für eine weitere Compilation oder das x-te Live-Album eines Altstars ein, sondern gebt dem "Nachwuchs" eine Chance. Ihr werdet es nicht bereuen! (AS)

8.5 von 10 

Mittwoch, 15. November 2017

APALLIC / "Of Fate and Sanity" / Label: Boersma Records / 10 Tracks / 52:36 Min

Auch Götter sterben, wenn niemand mehr an sie glaubt (Jean Paul Sartre).

Praktisch aus dem Nichts kommend, schütteln APALLIC aus Emden, ein in sich absolut stimmiges Konzeptalbum aus dem Ärmel, das vor Komplexität und groovendem Dauerfeuer nur so strotzt.
Doch damit nicht genug -  als wäre es für einen Newcomer die normalste Sache der Welt, haben sich APALLIC auch noch eine Geschichte ausgedacht, die zum einen spannend erzählt wird (es lohnt, die Texte sich einzuverleiben), und zum anderen, Bezug zum Bandnamen (Apallisches Syndrom = Wachkoma) hat.
Eingebetet haben APALLIC diese Geschichte in feinsten Todesblei, schwedischer Machart, der die selbe Spielwiese betritt, die auch AT THE GATES, AMON AMARTH und  EDGE OF SANITY für sich beanspruchen.
Trotz der allgegenwärtigen Nähe zu den Genre-Göttern, tappen APALLIC dabei aber niemals in die (Anfänger-)Falle, nur zu zitieren, anstatt selbst zu komponieren.
Zu jedem Zeitpunkt auf "Of Fate and Sanity" halten APALLIC sämtliche (kompositorische) Fäden in eigenen Händen und schaffen es so, dem Liedgut den eigen Stempel aufzudrücken.
Hin und wieder haben die fünf Ostfriesen zudem auch noch den Mut sich für experimentelle, und/oder progressive Ideen zu öffnen; allerdings immer nur als Beiwerk und niemals aufdringlich.

Wenn es überhaupt etwas zu meckern gibt, dann vielleicht dies hier: APALLIC haben in letzter Konsequenz noch nicht gänzlich ihren Stil gefunden. Soll heißen: Gelegentlich verzetteln sich die Nordeutschen beim Ausloten der Grenzen, wenn sie Vergangenheit und Moderne versuchen zu kombinieren.

Dennoch kann sich so manch etablierter Act eine Scheibe von "Of Fate and Sanity" abschneiden, wenn es darum geht, den etwas in die Jahre gekommenen (klassischen) Death-Metal einen frischen Anstrich zu verpassen, ohne dabei die historische Fasade zu zerstören.

Eine fette Produktion und ein gelungenes Coverartwork runden ein Album ab, das allen Freunden der schwedischen "Knüppel aus dem Sack"-Variante wärmstens zu empfehlen ist, die nichts gegen Eingängigket, Melodiösität und Abwechslung einzuwenden haben. (JK)

Anspiel-Tipps:  "The Awakening", "A Taste of Lethe", "Masked Insanity"

8 von 10

https://www.apallic.com/
https://www.boersma-records.com/

Montag, 13. November 2017

Konzertbericht NACHTBLUT + KRANKHEIT + ENTER TRAGEDY - 20.10.2017 München/Backstage


Blood, Sweat and Beers

Vor ein paar Monaten gab es gute Kunde für alle NACHTBLUT-Fans. Nach dem Ausstieg von Keyboarderin Lymania, die ja schon seit Jahren live nicht mehr von der Partie war, wurde mit Amelie endlich eine neue Keyboarderin gefunden. Und so sollte die Apostasie-Tour die erste seit langem werden, bei der NACHTBLUT zu fünft auftreten. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt: Leider wurde Neu-Keyboarderin Amelie kurz vor Tourbeginn von einem Auto angefahren und brach sich das Handgelenk. Deshalb müssen Nachtblut auch die aktuelle Tour wie gewohnt zu viert bestreiten.
Ganz anders die erste Vorband: ENTER TRAGEDY betreten die Bühne zu siebt. Darunter befinden sich aber "nur" sechs Musiker. Denn, während des Intros wird so etwas wie eine Hinrichtung mit einer Axt inszeniert. Der Verurteilte muss dann während der gesamten Spielzeit auf der Bühne knien, während die Band ihre Show beginnt.

ENTER TRAGEDY (© by metal-is-forever-alive)
Kurz darauf betritt der Sänger die Bühne, zunächst in einer Diktatorenuniform, und singt von einem selbstgebauten Rednerpult aus. Sein teils gescreamter, teils gegrowlter Gesang passt dabei sehr gut zur düsteren Musik, die bereits nach kurzer Zeit eine phantastische Atmosphäre entfaltet. Mit prüfendem Blick inspiziert er seine Mitmusiker, bevor er seine Uniform auszieht. Darunter kommt ein blutbeflecktes Hemd zum Vorschein. Zu diesem Zeitpunkt ändert er auch seine Performance. War er vorher eher ernst und ruhig, kann er jetzt zeigen, welchen Spaß er an seiner Musik hat. 
Zwischen den Songs punktet er auch mit humorvollen Ansagen, die aber trotzdem nicht im Widerspruch zur Musik stehen. Nach einigen Songs fällt allerdings auf, dass der Leadgitarrist bei seinen Melodien häufig aus dem Takt kommt. Die wenigsten scheinen sich aber daran zu stören und so ernten ENTER TRAGEDY am Ende ihrer halbstündigen Show ordentlich Applaus.
Die folgende Band KRANKHEIT ist dann reine Geschmackssache. Während ein Teil des Publikums, dem die Band bereits von den letzten beiden NACHTBLUT-Touren bekannt ist, vorsorglich die Halle verlässt, feiert der verblieben Teil die Band wie einen Headliner.                                        
KRANKHEIT (© by metal-is-forever-alive)
Wobei es mir absolut rätselhaft ist, wie die Band es geschafft hat, so viele Fans zu bekommen. Besteht ihre Musik doch hauptsächlich aus monotonen, sich immer wiederholenden Gitarrenriffs und elektronischen oder symphonischen Einspielungen vom Band. Darüber schreit der Sänger scheinbar völlig sinnfreie Texte. Dazu gibt es seltsame Verrenkungen des Gitarristen und eine "SM-artige" Show des Sängers, bei der er sich immer wieder vom Gitarristen an verschiedenen Stellen ablecken lässt. Das soll wohl irgendwie gruselig wirken, und sie von anderen Bands abheben, wirkt aber eher peinlich und aufgesetzt. Es scheint aber zumindest den Fans zugefallen, und so gibt es von selbigen Applaus. Nach 40 Minuten verlassen KRANKHEIT blitzeblank geleckt die Bühne.
Nächster Programmpunkt: NACHTBLUT
Die Osnabrücker steigen mit dem Song "Multikulturell" in ihr Set ein und ernten trotz des provozierenden Textes gleich ordentlich Applaus. Im Gegensatz zu KRANKHEIT ist es jetzt brechend voll, und nicht wenige singen textsicher mit. Das ändert sich auch beim Klassiker "Die Blutgräfin" nicht, hier lässt Frontmann Askeroth das Publikum sogar einige Zeilen alleine singen. Anschließend folgen wieder einige Songs vom neuen Album, welches heute fast komplett gespielt wird. Besonders "Amok" und das elektrolastige "Scheinfromm" kommen dabei besonders gut an. Aber auch an älteren Songs wie "Kreuzigung" oder "Hexe" wird nicht gespart. Morbide wird es bei "Kalt wie ein Grab", welches Askeroth mit den Worten „Im nächsten Song geht es um Sex. Im Wald. Mit einer Leiche!“ ankündigt. 
Das es auch spaßig geht, beweisen NACHTBLUT mit der Black-Metal-Parodie "Der Tod ist meine Nutte". Etwas später erfüllt Askeroth dem neuen Bassisten Ablaz einen Wunsch, indem er es ihm ermöglicht, während des Spielens crowdzusurfen, was ihm offensichtlich viel Spaß bereitet. Dass er nicht nur Bass spielen, sondern auch singen kann, zeigt Ablaz beim rasanten "Kreuzritter", während nun Askeroth in die Menge springt und einen Moshpit beginnt.
NACHTBLUT (© by metal-is-forever-alive)
Selbstverständlich darf auch die obligatorische Blutspuckaktion von Askeroth bei "Ich trinke Blut" nicht fehlen. Kurz bevor NACHTBLUT das erste Mal die Bühne verlassen, bringt Akeroth ein echtes Herz auf die Bühne, welches er zu "Mein Herz in ihren Händen" in zwei Teile zerbeißt und anschließend an das Publikum weiterreicht. Mahlzeit.
Nach lauten und anhaltenden Zugaberufen kehrt die Band dann nochmals zurück und präsentiert eine echte Überraschung: "Des kleinen Herzens letzter Schlag" vom allerersten Album, das in
einer völlig neuen Version präsentiert wird. Damit hätte wohl niemand gerechnet. Nach einem weiteren neuen Song ("Lied für die Götter"), wird es aber nun Zeit für den unvermeintlichen Schlußakkord: Das PRINZEN Cover "Alles nur geklaut". Beim Chorus steigt das Publikum lautstark mit ein und brüllt den "Eo Eo"-Part inbrünstig mit. Die Fischerchöre, ein Scheiß dagegen!
Im Anschluß daran wird die Band mit tosendem Applaus verabschiedet.
Mit dieser chweißtreibenden Show haben NACHTBLUT gezeigt, dass sie auch zu viert absolut überzeugend auftreten können. In dieser Form dürfen sie jederzeit wiederkommen - gerne aber mit anderen Opening-Acts. (RH)

Im blutigen Moshpit vor Ort war unser Raphael (RH).